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Schlauer Wohnen

Smart Home: wenn die Wohnung online geht

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Smart Home: wenn die Wohnung online geht

Kann ein Haus smart sein? Was sich hinter der Bezeichnung Smart Home wirklich verbirgt: ein Besuch im Fraunhofer-inHaus-Zentrum.

Wie ein geparktes Raumschiff wirkt das ovale Hotelzimmer in der ersten Etage des Fraunhofer-inHaus-Zentrums (inHaus2) in Duisburg. Das Doppelbett in der Raummitte scheint fast über dem Boden zu schweben. Sanft schaukelt es von einer Seite zur anderen, während das Deckenlicht seine Farbe von Weiß über ein kräftiges Orange hin zu einem beruhigenden Blauton wechselt. „Die Schwingungen des Bettes sollen die Frequenz von Müttern simulieren, die ihr Baby in den Schlaf wiegen“, erklärt Volkmar Keuter, Leiter des inHaus-Zentrums. Am Bett vorbei führt ein Gang ins Badezimmer, eine knapp vier Quadratmeter kleine Wellnessoase: Die Dusche verfügt über eine Massagefunktion, die Badewanne kann als Whirlpool mit Infrarotlicht genutzt werden. Eine große Glaswand trennt Bad und Schlafbereich voneinander.

Forschung und Industrie im Einklang

So futuristisch wie im Hotelzimmer ist die intelligente Haustechnik nicht immer. Seit 2001 entwickeln sieben verschiedene Fraunhofer-Institute am inHaus-Zentrum Systeme und Techniken für ein vernetztes, intelligentes Wohnen, kurz Smart Home genannt. „Wir wollen nicht am Markt vorbei entwickeln“, betont, Volkmar Keuter. „­Deshalb arbeiten wir eng mit der Industrie zusammen. Wir entwickeln gemeinsame Lösungen und testen sie dann im ­inHaus. Von da aus können neue Entwicklungen deutlich einfacher auf den Markt gebracht werden.“ Unter anderem sind große Energiezulieferer, eine Demenz-WG, Bauunternehmen, Netzwerkbetreiber oder Health-Care-Unternehmen Partner des Forschungszentrums. So umfangreich wie die Entwicklungsgebiete ist auch die Definition von Smart Home. „Teilweise werden darunter Funktionen verstanden, die ich nicht unbedingt brauche“, sagt der Leiter für Gebäudetechnik, Hans-Jürgen Schliepkorte. Er bezeichnet diese gerne als ­kostenintensive Spielereien für Technikliebhaber. Doch Smart Home ist mehr. Mit einer Chipkarte öffnet der Elektroingenieur das motorische Türschloss zum inHaus1. Beim Betreten der etwa 130 Quadratmeter großen Doppelhaushälfte aus weißem Backstein schalten sich automatisch die LED-Strahler im Flur ein und leuchten den Weg in den offen  gestalteten Wohnraum. Licht, Jalousien, die Musikanlage und auch die Raumtemperatur werden über ein einziges Gerät gesteuert. Die dafür benötigte Technik ist versteckt verbaut, sodass das Zimmer wie ein ganz normaler Raum wirkt: ausgestattet mit Sofa, Couchtisch und einem Flachbildfernseher. Weitere Finessen gibt es in der Küche. Der Kühlschrank ­verfügt über ein berührungsempfindliches Display, an dem die Nutzer ablesen können, welche Lebensmittel vorhanden sind. Außerdem kann nach Rezepten gesucht, eine Einkaufsliste erstellt und diese per SMS auf das Smartphone des Besitzers geschickt werden. Die Kaffeemaschine brüht fast von alleine zur gewünschten Zeit das entsprechende Getränk auf, über die integrierten Lautsprecher in der Wohnung ertönt die Lieblingsmusik. Alles Dinge, die das Leben angenehm machen können.

Das Hotelzimmer 2.0 – sanft schaukelnde Doppelbetten und wechselnde Stimmungslichter. (Foto: Friedhelm Krischer)

Sicherheitsfunktion oder Spielerei?

Für Hans-Jürgen Schliepkorte ist Smart Home jedoch mehr. „Wir sehen es als etwas Praktikables an. Ich muss mich immer fragen, bietet mir diese Funktion einen wesentlichen Komfort, ist es eine Sicherheitsfunktion oder einfach nur ein Nice-to-have?“ Er möchte sich in seinem Haus sicher fühlen und es vor Einbrechern schützen, gerade wenn er nicht zu Hause ist. So kann der Wohnraum etwa mit ­Kameras überwacht werden, auf deren Aufnahmen der Hausbewohner über ein externes Gerät aus der Ferne zugreifen kann. Mit Hilfe von Bewegungsmeldern können außerdem die Aktivitäten der Hausbewohner aufgezeichnet werden. Aus diesen Daten kann ein Bewegungsprofil erstellt und während eines Urlaubs beispielsweise Anwesenheit im Haus simuliert werden. Dann geht, scheinbar willkürlich, das Licht in der Küche an, ein Fenster wird geöffnet, die Jalousien runtergefahren. Die komplette Vernetzung des Hauses, in dem alle Geräte miteinander kommunizieren, ist allerdings sehr kostspielig. Hans-Jürgen Schliepkorte ist deshalb der Meinung, dass in Zukunft eher einzelne Funktionen der Smart-Home-Technik in Häusern und Wohnungen zu finden sein werden, je nach Geschmack und Vorliebe der Eigentümer. Großes ­Potenzial sehen er und sein Kollege Volkmar Keuter im Bereich des energieeffizienten Wohnens. Im inHaus1 informiert ein weiteres Gerät über unnötig eingeschaltete Stromfresser und Sensoren überprüfen die Luftqualität in einzelnen Räumen. Ist diese zu schlecht, öffnet sich automatisch ein Fenster, während die Heizung herunterfährt.

Der smarte Spiegel unterstützt mit assistierenden Apps bei der täglichen Pflege. Zusätzlich lassen sich Informationsmedien aufrufen oder Musik abspielen. (Foto: Friedhelm Krischer)

Energieeffizientes Wohnen als Zukunftsmodell

Zurück im inHaus2. Ein neu entwickeltes unscheinbares Gerät in einer Säule des Foyers misst die aktuelle Raumtemperatur und gleicht sie mit der vorgegebenen Wunschtemperatur ab. Die ­Informationen gibt es an den Heiz-körper weiter, der daraufhin die Temperatur im Raum reguliert. Hier handelt es sich um eine Technik, die sich besonders für weniger gut isolierte Gebäude eignet, da sie schnell auf Temperaturschwankungen innerhalb eines Raumes reagieren kann. Neben der optimierten Wärmenutzung steht die alternative Strom- und  Warmwasserversorgung im Fokus der Entwickler. Im Keller des Forschungszentrums befindet sich ein kleines Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von 4,7 Kilowatt und einer Heizleistung von 12,5 Kilowatt. „Das reicht für ein großes Einfamilienhaus mit Swimmingpool oder ein kleines Mehrfamilienhaus“, erklärt Hans-Jürgen Schliepkorte. Eine Vernetzung mehrerer BHKWs könnte auch für größere Energieversorger interessant werden, wie Volkmar Keuter anmerkt. Er geht davon aus, dass zukünftig eine flächendeckende Stromversorgung durch regenerative Energien allein nicht immer gewährleistet werden kann. In diesem Fall könnten Energieversorger auf die mit Erdgas betriebenen BHKWs zugreifen und Strom produzieren. Die dabei entstehende Wärme würde in einem Wärmespeicher gepuffert und den Bewohnern für die Warmwasseraufbereitung kostengünstig bereitgestellt.

FEGIME Deutschland ist eine Marktgemeinschaft mittelständischer Elektrogroßhändler, die ihren Gesellschaftern hilft, unter anderem auch Smart-Home-Technologie zu vermarkten. Mit 58 Anschlusshäusern und einem Außenumsatz von 1,2 Milliarden Euro repräsentiert die Organisation einen Marktanteil von 13 Prozent im Elektrogroßhandel. In der Nürnberger Zentrale sind 34 Mitarbeiter tätig. Im europäischen Verbund vereint die FEGIME in 26 Ländern einen Gesamtumsatz von 4 Milliarden Euro. FEGIME Deutschland erbringt seinen mittelständischen Gesellschaftern Dienstleistungen im Bereich Marketing, Einkauf, IT sowie im Großkunden-management. Gemeinsam mit Geneon und IRS übernimmt sie die zentrale Stammdatenpflege von rund 2,3 Millionen Artikeln mit vollautomatischer Übermittlung an die Großhändler. Darüber hinaus entwickeln und hosten sie gemeinsam ein zentrales Online-Shop-System. Die integrierte Web-to-Print-Plattform und das hoch-funktionale Extranet, verbunden mit einer einheitlichen Warenwirtschaft, versetzen die Großhändler der FEGIME Deutschland in die Lage, erfolgreich auf dem Markt zu agieren. Eine Vielzahl dieser Funktionalitäten wird auch für die weitestgehend automatische Erstellung der über Willmy PrintMedia produzierten Papierkataloge genutzt.

Die intelligente Technik fällt im Wohnraum kaum auf. Dennoch sind überall Sensoren integriert, die die Luftqualität prüfen oder die Temperatur messen. Je nach Ergebnis wird automatisch ein Fenster geöffnet oder geschlossen und die Heizung reguliert. (Foto: Friedhelm Krischer)

Assistenzsysteme für das Leben im Alter

Bedingt durch den demografischen Wandel öffnet sich den Entwicklern in Duisburg ein weiteres Einsatzgebiet. Viele Menschen wollen auch im Alter in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Fehlendes Pflegepersonal und räumliche Distanz zu Verwandten stehen diesem Wunsch entgegen, besonders, wenn die Mobilität der älteren Bewohner eingeschränkt ist.  Intelligente Technik kann ältere Menschen im Alltag entlasten. Bewegungsmelder oder eingelassene Bodenlichter helfen bei der Orientierung in der Nacht, indem sie den Weg ins Bad weisen. Ein berührungsempfindlicher Spiegel unterstützt bei der täglichen Pflege, zum Beispiel beim Zähneputzen und informiert den Bewohner über seine Medikamenteneinnahme. Die Tablettendose verfügt zusätzlich über einen Sensor, der vermerkt, wenn das Medikament aus der Dose genommen wurde und sendet diese Information an das Netzwerk. Darüber hinaus können Verhaltensweisen dokumentiert werden. Treten Abweichungen auf, werden automatisch der Pflegedienst oder die Angehörigen informiert und können schnell reagieren.

"Der Wunsch nach Sicherheit ist sehr groß."

Anwendungsnutzen im Vordergrund

Die Vielzahl der technischen Möglichkeiten nährt jedoch auch die Sorge, dass zu viele persönliche Informationen preisgegeben werden. Der Schutz der persönlichen Daten ist deshalb bei der Entwicklung von intelligenter Haustechnik enorm wichtig. „Der Wunsch nach Sicherheit ist sehr groß“, betont Hans-Jürgen Schliepkorte. „Wir müssen uns ständig mit der Frage auseinandersetzen, wie wir Systeme entwickeln können, die diese Sicherheit bieten.“ In der häuslichen Umgebung sollen deshalb nur die Informationen nach außen getragen werden, die für das Funktionieren einer Anwendung zwingend notwendig sind. Bedenken, dass intelligente Haustechnik aus diesem Grund nur wenige Anwender findet, hat Schliepkorte nicht. „Über ein Handy bin ich fast jederzeit und überall relativ genau zu orten, trotzdem hat jeder so ein Teil in der Tasche. Man nimmt das in Kauf, weil der Anwendungsnutzen so groß ist.“

10 Jahre Fraunhofer-InHaus-Zentrum
Kristina Taube

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