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Casual-wear

Des Vorstands neue Kleider

Seit auch Dax-Vorstände öffentlich Turnschuhe tragen, herrscht im Geschäftsleben Unsicherheit

Des Vorstands neue Kleider

Seit auch Dax-Vorstände öffentlich Turnschuhe tragen, herrscht im Geschäftsleben Unsicherheit

Wie locker darf man sich bei der Kleiderordnung machen? Was bedeutet „Smart Casual“, wann ist „Business Casual“ gefragt? Wir helfen bei der Orientierung.

Dieter Zetsche trägt Bluejeans! Dass der Daimler-Chef neuerdings die Geschäftszahlen ohne Krawatte, dafür aber in Turnschuhen präsentiert, hat in der Wirtschafts- und Modewelt fast so hohe Wellen geschlagen wie Dieselgate oder die Hosenanzüge der Kanzlerin. Verfechter eines konservativeren Dresscodes nennen Zetsches neue Kleider wahlweise „unüberlegt“ oder „albern“ und die „Süddeutsche“ fragte: „War er zu lange im Silicon Valley?“

US-Konzerne als Vorbilder

Tatsächlich sind Krawatten im Geschäftsleben der US-Westküste Fremdkörper. Die dort ansässigen milliardenschweren Unternehmen setzen Trends – in der Technologie wie in der Businessmode. Sie haben mit sozialen Medien und Smartphones unsere Kommunikation revolutioniert und könnten mit selbstfahrenden Elektroautos zu einer Konkurrenz für die deutsche Autoindustrie heranwachsen. Und ihr Führungspersonal pflegt einen betont lässigen Kleidungsstil.

Schon der einstige Apple-Chef Steve Jobs präsentierte jedes neue iPhone in Knitterjeans und Rollkragenpulli, und auch sein Nachfolger Tim Cook trägt fast nie Krawatte zum dunklen Hemd. Noch-Yahoo-Chefin Marissa Mayer entscheidet sich oft für kräftige Farben oder auffällige Muster, die Pullover von Google-CEO Sundar Pichai leuchten in Blau oder Lila, und Mark Zuckerbergs Auftritte im Kapuzenpulli sind nicht nur unter Facebook-Aktionären legendär.

Die neuen Freiheiten in der Businessmode gestatten auch Kombinationen aus Hose und Blazer wie bei diesem Female-Outfit. (Foto: Martin Rehm)

Durchdacht und durchgestylt

„Casual“ heißt dieser Dresscode, zu Deutsch: „lässig“. So kleidet man sich eigentlich zu privaten Anlässen, nicht aber im Geschäftsleben. Mode-Unfälle sind diese Auftritte trotzdem nicht – im Gegenteil: „Es ist viel schwieriger, ein gutes Casual-Outfit als einen Anzug mit Hemd und passender Krawatte zu wählen“, sagte Mark Langer, Vorstandsvorsitzender des Modekonzerns Hugo Boss, kürzlich in einem Interview mit der „Süddeutschen“. „Ein Top-Manager lässt sich deswegen heute meist von einem Stylisten beraten, bevor er in der Öffentlichkeit auftritt.“ Die neuen Freiheiten in der Businessmode gestatten auch Kombinationen aus Hose und Blazer wie bei diesem Female-Outfit.

Die Botschaft hinter dem lässigen Kleidungsstil: Wir sind jung, dynamisch, zukunftsorientiert, unsere Unternehmen und Produkte sind es auch, und deshalb können wir auf Konventionen pfeifen.

Rat- statt Zwanglosigkeit?

Klar, dass auch manch deutscher Top-Manager eine ähnliche Botschaft vermitteln will. So verzichten Siemens-Boss Joe Kaeser und VW-Digitalchef Johann Jungwirth gelegentlich auf die Krawatte, und Allianz-Chef Oliver Bäte begrüßte die Aktionäre auf der letzten Hauptversammlung in roten Turnschuhen. (Anmerkung der Redaktion: Auch der für diese Ausgabe interviewte Vorstandsvorsitzende der DATEV, Dr. Robert Mayr, tritt inzwischen meist ohne Krawatte auf, Seite 12.)

Von „Casualisierung des textilen Zeitgeistes“ in der Businessmode spricht die Imageberaterin Katharina Starlay (siehe Infokasten mit einer Buchempfehlung). Sie hat beobachtet, dass Auftritte wie der von Zetsche die Chefinnen und Chefs kleinerer und mittelständischer Unternehmen oder auch Abteilungsleiterinnen und -leiter eher verunsichern.

Sie fragen sich: Müssen wir jetzt auch den Leder gegen den Turnschuh tauschen und statt Hosenanzug ein geblümtes Sommerkleid anziehen? „Dresscodes sind nicht dazu da, um uns zu nerven, sondern um einen Rahmen vorzugeben“, sagt Katharina Starlay. Und diese Dresscodes verschwinden nicht plötzlich, nur weil von ganz oben eine neue Lässigkeit propagiert wird. Noch immer kann man mit der falschen Kleidung zum falschen Anlass gehörig ins Fettnäpfchen treten. „Kleidung wird immer dann wichtig, wenn sie nicht stimmt“, sagt Katharina Starlay. Und: „Die falsche Kleidung kann Karrieren beenden.“

… ist studierte Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. Sie hält Vorträge und gibt Seminare rund um Kleiderstil und Business-Knigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für ihren Außenauftritt und entwickelt Firmenkleidung. Ihre Kolumne „Starlay Express“ bei Manager Magazin Online erreicht regelmäßig Tausende Leser. Sie ist Autorin und Gutachterin der Textil- und Dresscode-Artikel von „Der Große Knigge“, und ihr erfolgreichstes Buch „Stilgeheimnisse“ (Frankfurter Allgemeine Buch) erscheint mittlerweile bereits in der 4. Auflage.

Kleines Dresscode-ABC

Die gängigsten Kleiderordnungen sind, sortiert nach Eleganz, „Business“, „Smart Business “, „Business Casual“, „Smart Casual“ und „Casual“ (siehe Tabelle). „Smart“ bedeutet in der Mode übrigens nicht „schlau“ oder „pfiffig“, sondern „elegant“ beziehungsweise „festlich“. Zwei Faustregeln lassen sich festhalten: Wenn im Dresscode das Wort „Casual“ auftaucht, darf man sich modisch etwas lockerer geben. Und: „Wo Business draufsteht, ist auch Business drin“, wie Katharina Starley sagt.

Auch neue Trends ändern nichts daran, dass zu braunen Schuhen am besten ein brauner Gürtel passt. (Foto: Martin Rehm)

Business

… ist dem Tagesgeschäft vorbehalten. Männer tragen dabei meist Anzug, Krawatte und Lederschuhe, Frauen Kostüm oder Hosenanzug sowie Strumpfhosen und geschlossene Schuhe.

Smart Business

… wird oft verlangt, wenn man sich nach der Arbeit noch mit Geschäftspartnern oder internationalen Kunden trifft oder zu Kongressen reist. Männer wählen dazu einen eleganteren Anzug. Frauen können zu einem Jackett mit leicht glänzendem Stoff greifen, festlicheren Schmuck anlegen, und sie sollten Schuhe mit schmalen Absätzen tragen. Bei Kongressen mit überwiegend männlichem Publikum rät Katharina Starlay Frauen eher zum Hosenanzug als zum Rock.

Business Casual

… ist der Dresscode, der besonders häufig missverstanden wird. Zwar darf man auch hier die Krawatte ablegen, „aber wir sind hier immer noch geschäftlich unterwegs“, erinnert Katharina Starlay. Ein typischer Anlass kann eine Abendveranstaltung im Betrieb oder eine Weihnachtsfeier sein. Männer können eine hellere Anzugfarbe wählen als im Tagesgeschäft, auch die Kombination Jeans plus Sakko ist denkbar. „Hauptsache, ich signalisiere: Ich nehme den Anlass immer noch ernst“, sagt Katharina Starlay. Frauen empfiehlt sie, zum Beispiel eine gepflegte Jeans mit einem Blazer zu kombinieren. Auch schicke Sneaker sind möglich – zu einem Bleistiftrock passen allerdings besser hochhackige Schuhe. Mit „Sneaker“ ist kein reiner Turn- oder Laufschuh gemeint, sondern ein sportlich und zugleich elegant anmutender Schuh.

Krawatten mögen auf dem Rückzug sein, Anzüge sind es noch lange nicht. Modisch-elegante Schuhe oder ein Einstecktuch zeigen, dass mann sich bewusst eingekleidet hat und den Anlass ernst nimmt. (Foto: Martin Rehm)

Smart Casual

Spätestens hier verschwimmen nun aber die Grenzen. Konservativere Stilberater würden den oben beschriebenen „Business Casual“-Dresscode eher als „Smart Casual“ bezeichnen. „Man trägt Smart Casual zu einem privaten Anlass, zu dem man sich ein bisschen schick macht“, erläutert Katharina Starlay. Männer können die Krawatte bei diesem Dresscode im Schrank lassen, sollten dann aber über ein seidenes Einstecktuch oder Manschettenknöpfe nachdenken. Frauen können zum Beispiel einen Rock und eine Bluse kombinieren. Schulterfrei ist möglich, auch hochhackige Schuhe.

Casual

… ist der Freizeit-Dresscode für diejenigen, die sich trotzdem nicht im Jogginganzug erwischen lassen wollen. Hier können Männer zum Beispiel Polohemd, Jeans und Sneaker anziehen, Frauen tragen Rock oder Hose in Kombination mit einem T-Shirt oder einem Top – oder gleich ein Sommerkleid. Beim „Casual“-Dresscode dürfen sie auch die Strumpfhose weglassen und offene Schuhe tragen.

Während der Hosenanzug noch auf formale Frauenoutfits verweist, setzen Farben und Flowerprints frischere Akzente. (Foto: Martin Rehm)

Branche bleibt entscheidend

Wie lässig man sich kleidet, hängt nicht nur vom Anlass ab, sondern auch von der Branche. Im Banken- und Versicherungsgewerbe sind Kostüm und Anzug nach wie vor verbreitet – auch wenn viele Sparkassen ihren Angestellten im Namen der Kundennähe inzwischen auch Jeans und T-Shirt am Arbeitsplatz gestatten. Und in vielen Kreativsparten von den Medien bis zur Werbung fühlen sich die Mitarbeiter ohnehin overdressed, wenn sie etwas Schickeres tragen als Hemden oder T-Shirts.

  • Business
    • eher dunkler, unifarbener Anzug, ggf. mit Mustern: Nadelstreifen, Bird’s Eye, Glencheck
    • dazu Krawatte (je nach Branche)
    • weißes bzw. helles/pastellfarbenes Hemd
    • Faustregel: Hemdsärmel reichen bis Daumenwurzel, Jackettärmel bis Handgelenk
    • Hose endet 0,5–1 cm über dem oberen Schuhabsatzrand
    • Kniestrümpfe
    • Lederschuhe
  • Smart Business
    • dunkelster verfügbarer Anzug, durchgefärbtes Garn, keine oder dezente Muster, ggf. Dreiteiler
    • meist Krawatte oder Fliege
    • Hemd in einer feinen Farbe, etwa in hellem
    • Rosa, Hellblau oder Champagner
    • elegante Schuhe
  • Business Casual
    • z.B. Tagesanzug ohne Krawatte
    • belebtere Stoffe (Karos, Schattenstreifen, Zweifarbigkeit)
    • Hemd mit Button-down-Kragen erlaubt, auch dezent gemustert; ggf. auch ein Polohemd
    • Strümpfe Ton in Ton zur Kleidung
    • Schnürschuhe, Sneakers, Loafers
  • Smart Casual
    • ggf. Sakko o. Strickpullover statt Anzugjackett
    • dunkle Jeans statt Anzughose
    • langärmeliges Hemd, uni oder dezent gemustert, auch Poloshirt ist möglich
    • ggf. Einstecktuch, Manschettenknöpfe oder ein modischer Schuh als Stilelement
  • Casual
    • Poloshirt oder Hemd, Jackett
    • keine Krawatte
    • Jeans, Chino o.ä. dürfen auch weiß oder dunkelrot sein
    • Herrensocken (keine Kniestrümpfe)
    • geschlossene Sneakers oder Slipper
  • Business
    • Kostüm oder Hosenanzug in neutraler Farbe (dunkelblau, dunkelgrau, anthrazit, schwarz) oder farbig, gerne auch leicht gemustert
    • mit langärmeliger Bluse in typgerechter Farbe
    • Feinstrumpfhosen, im Sommer hautfarben, sonst als farblicher Übergang zwischen Rocksaum und Schuhen
    • vorne geschlossene Schuhe
  • Smart Business
    • Hosenanzug oder Kostüm mit festlichelegantem Touch; z.B. Jackett aus leicht glänzendem Stoff oder auch ein Top mit dezenten Pailletten
    • Strumpfhose
    • Schuhe mit schmalen Absätzen
    • mehr und eleganterer Schmuck als bei „Business“
  • Business Casual
    • Kostüm oder Hosenanzug
    • dazu leicht gemusterte Bluse
    • auch ein knielanges Kleid in Schwarz-Weiß oder Grau geht
    • hautfarbene Strumpfhose oder Strümpfe
    • Pumps oder dezente Peeptoes
  • Smart Casual
    • Hosenanzug, Etuikleid oder Rock/Stoffhose und Jacke
    • festlichere Stoffe, etwas mehr Schmuck
    • Shirt oder Bluse/Top ohne Kragen
    • Jacke darf im Sommer abgelegt werden
  • Casual
    • Rock oder Hose mit Blazer und T-Shirt
    • ggf. auch geschmackvolles Top
    • dezenter Ausschnitt
    • auch ein Sommerkleid geht
    • Strümpfe/Strumpfhose nicht unbedingt nötig
    • geschlossene Schuhe ebenso erlaubt wie z.B. Sandaletten

Die im Beitrag abgebildeten Outfits wurden durch das Breuninger Haus in Nürnberg freundlicherweise unentgeltlich aus der Frühjahrs- und Sommerkollektion für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Das Modehaus bestätigt, dass sich der Kleidungsstil in vielen Unternehmen zurzeit verändert. Der Beratungsbedarf habe sich dadurch merklich erhöht – bei Chefs wie bei Mitarbeitern. Als Schuhe hat Breuninger für die Bilder keine Sneaker ausgewählt, da diese in vielen Unternehmen nach wie vor nicht gern gesehen und von Mitarbeitern oft mit Turnschuhen verwechselt würden. Gerne berät das Team von Breuninger Nürnberg bei Fragen rund um das Outfit.

Anfragen unter Tel. 0911 27424-222

Daniel Kastner

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