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SPECIAL

Stromsprinter der Superlative

Beschleunigungs-Rekord aus der Steckdose

Stromsprinter der Superlative

Beschleunigungs-Rekord aus der Steckdose

Der Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive wird als weltweit schnellstes Elektro-Serienfahrzeug Stromautos aus der Öko-Nische ins Supersportwagen-Segment katapultieren. Die Zahlen sprechen für sich.

Es sich in den Sportschalensitzen bequem machen und die Augen über das hochwertige Interieur mit den Carbon-Elementen wandern lassen. Während sich die Flügeltüren senken, fällt der Blick auf die Power-Anzeige – anstelle des Drehzahlmessers zeigt sie Informationen wie das gewählte Fahrprogramm oder den Zustand der Batterieladung an. Schon die ersten Momente im neuen Mercedes-Benz SLS AMG Coupé Electric Drive werden klarmachen, dass dieses Auto etwas Besonderes ist. Es ist nicht nur stärker als jedes andere von Mercedes-AMG entwickelte Fahrzeug, es wird das schnellste vollständig elektrisch angetriebene Serienfahrzeug der Welt sein, wenn es Mitte des Jahres auf den Markt kommt.

750 Pferdestärken

Sportliche 416.500 Euro muss der Kunde für das neue Flaggschiff von Mercedes-AMG, der High-Performance-Marke des Autoherstellers, aufbringen. Dafür bekommt er einen Stromboliden, der 750 PS auf die Straße bringt. Das neue Fahrzeug spielt die Vorteile der elektronischen Antriebsart voll aus: Vier Synchron-Elektromotoren stellen im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor ihre Kraft verzögerungsfrei unter Beweis. Der sportive Stromer beschleunigt in nur 3,9 Sekunden von null auf hundert Kilometer pro Stunde. Dabei soll er völlig vibrationsfrei laufen, verspricht der Hersteller. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 250 Kilometer pro Stunde. Darüber werden die Motoren – eine freiwillige Selbstbeschränkung des Herstellers – elektronisch abgeregelt.

0-100 km/h: 3,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
Reichweite*: 250 km
Batteriespannung: 400 Volt
Batterie Energieinhalt: 60 kWh
Motoren-Höchstleistung: 552 kW
Drehmoment: 1.000 Nm
Preis: 416.500 Euro

* nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) gesamt

Der übliche Blick unter die Motorhaube nutzt hier wenig: Der Antriebsstrang ist für ein optimales Handling weit unten platziert. (Foto: Daimler)

Vier Räder – vier Motoren

Um herauszufinden, woher die immense Kraft kommt, nutzt ein Blick unter die Haube wenig. Die vier kompakten Elektromotoren sind tief unten auf den Achsen angebracht und treiben jeweils eines der Räder an. Diese radindividuelle Drehmomentverteilung sorgt für die besonderen Fahreigenschaften. Weil jedes der vier Räder nicht nur separat angetrieben, sondern auch gebremst wird, kann der Wagen optimal eingelenkt werden. „Der Spaß an Elektromobilität entsteht durch die sehr starke Beschleunigung, die mit dieser Technik möglich ist. Der AMG Coupé Electric Drive potenziert dieses Moment enorm. Das dürfte das Fahren zu einem starken emotionalen Erlebnis werden lassen“, sagt Professor Stefan Bratzel, Direktor des Centers of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Drei unterschiedliche Fahrprogramme stehen zur Auswahl: „Comfort“ für beschaulicheres Fahren, „Sport“ für eine flottere Fahrweise und „Sport Plus“ für den maximalen Speed.

Designsound statt Motorenlärm

Weil zu einem solchen Fahrerlebnis auch ein starker Sound gehört und der elektrische Antrieb nahezu geräuschlos ist, haben die Konstrukteure den Wagen mit einem besonderen Klangbild ausgestattet. Zuerst ist das charakteristische Startgeräusch zu hören, danach folgt ein der Fahrsituation exakt angepasster Sound: Dynamisch beim Beschleunigen, gedämpft bei gleichmäßiger Fahrt und ebenso typisch beim Bremsen und Rollenlassen. Das High-End-Soundsystem mit elf Lautsprechern gehört zur Serienausstattung und ist mehr als eine Spielerei. Denn als akustisches Feedback soll es den Fahrer beim Einschätzen von Fahrsituationen unterstützen. Trotz Beschallung bringt der Prestigewagen keine Straßenanwohner um den Schlaf: Sie beschränkt sich auf den Innenraum.

„Der Spaß an Elektromobilität entsteht durch die sehr starke Beschleunigung.“

Vollgas-Spaß aus der Starkstrom-Steckdose: Die Beschleunigung im SLS AMG Coupé Electric Drive drückt den Fahrer ordentlich in den Schalensitz. (Foto: Daimler)

Technik aus der Formel 1

Die Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie des Supersportwagens sammelt Rekorde: Sie wiegt 548 Kilo, hat eine Kapazität von 60 Kilowattstunden und weist eine Belastungsmöglichkeit von 600 Kilowatt auf – laut AMG absolute Bestwerte im Automobilsektor. Entwickelt wurde sie unter anderem von Mercedes AMG High Performance Powertrains Ltd. aus Großbritannien. Die Hochvoltbatterie basiert auf der Technik, mit der Lewis Hamilton 2009 beim Großen Preis von Ungarn den historischen ersten Sieg eines Formel-1-Fahrzeugs mit Hybridantrieb einfahren konnte. Mit einer in der heimischen Garage installierbaren „Wallbox“, einem speziellen Starkstrom-Ladegerät, lässt sich das Laden auf drei Stunden verkürzen. An der normalen Steckdose würde es etwa 20 Stunden dauern.

Image im Wandel

Mit dem neuen Supersportwagen will Mercedes-AMG eine exklusive Kundengruppe ansprechen. Der Autobauer erwartet einen Absatzrahmen auf dem Niveau von Klein-serien. „Für unsere Entwickler lag der Entschluss nahe, für dieses zukunftsweisende Projekt auf den SLS AMG Coupé, den ersten von Mercedes-AMG eigenständig entwickelten Supersportwagen, zurückzugreifen und das E-Mobilität-Konzept auf diesen zu adaptieren“, sagt Tobias Moers, Geschäftsführer und Bereichsleiter Entwicklung Gesamtfahrzeug Mercedes-AMG. „Der SLS AMG Coupé Electric Drive fungiert in dieser Position als Leuchtturmprojekt und zeigt, dass sich E-Mobilität auch in einem Supersportwagen wiederfinden kann. Wegen seiner technischen Konzeption eignet sich der SLS AMG Coupé optimal für die Übernahme der Hochvolt-Komponenten.“ So überragend der SLS AMG Coupé Electric Drive in vieler Hinsicht ist, als Sportwagen mit Elektroantrieb ist er kein Novum: Bereits vor fünf Jahren brachte Tesla Motors den Zweisitzer Tesla Roadster auf den Markt. Der prestigeträchtige Flitzer des amerikanischen Elektropioniers wird von einem 288 PS starken Elektromotor im Heck angetrieben. „Das Modell hat dazu beigetragen, das Image der Elektromobilität aufzubessern. Elektroautos sind salonfähig geworden“, sagt Professor Stefan Bratzel.

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Petrol vs Electric - Mercedes SLS AMG Battle - Top Gear

Kaum Bewegung auf dem Markt

Elektroautos dieser Preisklasse werden allerdings kaum die Energiewende auf der Straße bringen. Noch ist der Anteil der mit Strom betriebenen PKW hierzulande marginal: Anfang 2012 gab es unter den insgesamt in Deutschland zugelassenen rund 43 Millionen PKW lediglich etwa 4.500 Stromer. Geht es nach dem Willen der Politik, sollen im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Dabei sind Hybridautos mit einem hohen Elektroanteil eingeschlossen. „In diesem Jahr werden auch andere deutsche Hersteller neue Elektroautos auf den Markt bringen. Für wirkliche Bewegung wird das allerdings nicht sorgen“, sagt Stefan Bratzel. Das Problem sieht der Experte weniger in den fehlenden öffentlichen Ladestationen, als vielmehr in den geringen Reichweiten und den hohen Preisen. „Elektroautos sind weit davon entfernt, konkurrenzfähig zu sein. Verglichen mit einem Benziner müssen Verbraucher für einen entsprechenden Wagen mit E-Antrieb ungefähr doppelt so viel bezahlen.“ Wirklich in Bewegung kommen wird der Markt seiner Prognose nach erst nach 2020. „In der Zwischenzeit werden Hybrid-Plug-Ins als Übergangstechnologie dienen.“ Mit solchen Kompromissen hat der SLS AMG Coupé Electric Drive nichts zu tun. Er wird eine Marktnische bedienen – wenn auch eine völlig andere als frühere Elektromobile.

Die leichten Faserverbundstoffe stammen aus der Formel 1. Auch die Hochvoltbatterie basiert auf Technik, die dort erfolgreich eingesetzt wurde. (Foto: Daimler)
Sabine Schrader

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