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Von der Eckbank an die Theke

Küchen: vom Arbeitsort zum Stilobjekt

Von der Eckbank an die Theke

Küchen: vom Arbeitsort zum Stilobjekt

Früher der praktisch-schlichte Arbeitsort der Hausfrau, ist die Küche zunehmend durchgeplante und durchgestylte „Komfortzone“, in der sich Kochen, Essen und Wohnen verbinden – die Trends bei Ausstattung und Gestaltung.

Es wird gekocht und gebraten, pochiert und gedünstet, gebacken und appetitanregend angerichtet. Egal auf welchen Kanal man im deutschen Fernsehen zappt: Bei den unzähligen Kochshows und Küchenduellen läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Den Anfang machte in den 50er-Jahren Clemens Wilmenrod, der in „Bitte in zehn Minuten zu Tisch“ Anregungen für Expressgerichte gab. Zwar gingen auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Kochshows auf Sendung. Der große Boom setzte aber erst später ein – sicherlich vor allem durch Alfred Bioleks „Alfredissimo“, das in den 90er-Jahren den TV-Rezeptaustausch mit entspanntem Talk verband. Mit der Zeit traten immer mehr Profiköche vor die Kameras – von Tim Mälzer über Horst Lichter bis Johann Lafer. Und als das Vorkochen mit Plauderei nicht mehr genügte, wurden Wettbewerbe ausgerichtet und die Zuschauer selbst zu Fernsehköchen. Sie duellieren sich am Herd und versuchen sich allabendlich am perfekten Dinner.

Aktuelle Kücheneinrichtungen wie diese haben kaum noch etwas mit der früheren Küchenzeile in einem abgetrennten Nebenraum zu tun: Mit dem Kochfeld steht auch das Kochen selbst im Mittelpunkt. (Foto: Schüller)

„Moderne Küchen sind heute ein Lifestyle-Produkt.“

Slow-Food vs. Fast-Food

Dennoch: Längst nicht jeder Zuschauer bindet sich deswegen selbst die Schürze um. „Wir erkennen heute eine gewisse Polarisierung bei den Ess- und Kochgewohnheiten“, berichtet Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“. Es gebe eine große Gruppe von Menschen, die gerne auf Convenience-, Fertig- und Tiefkühlprodukte zurückgreife. Doch im Gegensatz dazu sei der Trend zu Selbstgemachtem ungebrochen, zu Slow-Food und einer Ernährung, die gleichermaßen gesundheitsbewusster und genussorientierter ist. Dabei beschränkt sich die Auswahl der Gerichte natürlich längst nicht mehr nur auf deutsche Hausmannskost: „Wir kochen und essen heutzutage international – von der mediterranen Küche Italiens bis zu exotischen Gerichten aus Asien, Afrika oder Südamerika“, sagt Frank Hüther. „Das ist ein Crossover, wie es so in der kargen Nachkriegszeit und den Jahren des Wirtschaftswunders undenkbar gewesen wäre.“ Doch nicht nur die Essgewohnheiten, auch die Küche selbst hat sich über die vergangenen Jahrzehnte enorm gewandelt. „War die Hausfrau früher in einem meist abgegrenzten Raum mit der Küchenarbeit beschäftigt, ist die Küche jetzt häufig der Mittelpunkt, die Seele von Haus und Wohnung. Die Küchenräume sind tendenziell größer geworden und haben sich längst zum Ess- und Wohnbereich geöffnet“, erklärt der Küchenexperte. Der Trend zur offenen Küche, den es seit den 90er-Jahren gibt, wird sich nach Frank Hüthers Ansicht weiter halten, weil sich so mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Dampfgarer statt Mikrowelle

Über die vergangenen Jahrzehnte wurden aber nicht nur die Küchenschränke optimiert. Viele Geräte sind aus der Küche kaum mehr wegzudenken: In den 70er-Jahren traten beispielsweise die Mikrowellen ihren Siegeszug an. „Heute besitzen rund 70 Prozent aller Haushalte ein Mikrowellengerät. Es ist ein typisches Gerät der schnellen Küche, auch geeignet fürs Popcorn zu Hause oder das schnelle Aufwärmen von Speisen“, weiß Frank Hüther. Das Aufwärmen gehe aber auch mit einem Dampfgarer, weshalb Mikrowellengeräte vermutlich den Zenit überschritten hätten. Wie wichtig den Verbrauchern die Qualität der Geräte und Möbel ist, hängt stark davon ab, welchen Stellenwert das Kochen einnimmt. „Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Küchenwertigkeit gestiegen ist“, sagt Frank Hüther. „Moderne Küchen sind heute ein Lifestyle-Produkt.“ Nach Studien der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hätten im Jahr 2003 noch 59 Prozent der Befragten ­angegeben, beim Kauf vor allem auf den Preis zu achten. Heute setze die Hälfte der Verbraucher primär auf die Qualität.

Reif für die Kochinsel

Das verändert auch die Gestaltung der Küchen. Denn zu einem Lifestyle-Produkt passt die klassische Eckbank mit Tisch und Stühlen kaum noch. „Die befindet sich eher auf dem Rückzug“, sagt der Küchenprofi. Stattdessen gebe es häufig offene Küchen mit Vorbereitungs- oder Kochinseln sowie Sitz- und Essplätzen an unterschiedlichen Theken – gern ergänzt um einen großen Tisch für die ganze Familie oder zur Bewirtung von Gästen. Eine professionelle Küchenplanung orientiert sich an den unterschiedlichen Arbeitsbereichen, den sogenannten „Zonen“. Vom Vorbereiten über das Aufbewahren von Lebensmitteln und Geschirr bis hin zum Spülen – die verschiedenen Arbeits- und Funktionsbereiche sollten optimiert angeordnet werden. „Das Ergebnis sind kurze Wege, leichtes Verstauen und schnelles Finden“, sagt Frank Hüther. „Die Küche als Komfortzone, in der alles dort zu finden ist, wo es im Alltag wirklich gebraucht wird.“ Die Größe der Küchennutzer sollte eingerechnet werden, rät der Branchenvertreter:

„Die körpergerechte Küchenplanung, etwa mit der Ermittlung der optimalen Arbeitshöhe, sollte zum Standardrepertoire eines heutigen Küchenplaners gehören.“

Sicherheit für kleine Kinderhände

Darüber hinaus hat sich auch die Ausstattung der Küchenmöbel stark verändert. Voll ausziehbare Schubkästen haben die klassische Tür an den Unterschränken verdrängt. „Tote Ecken sind dank intelligenter Eckschranklösungen Geschichte, Dunstabzüge saugen leise und effizient den Kochwrasen ab und die Spülmaschine hat sich vom Luxus- zum Standardequipment entwickelt“, fasst Frank Hüther zusammen. Mit dem Dampfgarer lassen sich Lebensmittel besonders schonend zubereiten. „Vitamine und Aromen bleiben besser erhalten, das frische Grün des Gemüses landet direkt auf den Tellern.“ Wok und Teppanyaki erleichtern darüber hinaus die Zubereitung asiatischer Gerichte und der Dampfbackofen ermöglicht gute Ergebnisse beim Brotbacken. Beim Herd geht der Trend zu Induktionskochfeldern. Die sind unschlagbar schnell – und leicht zu reinigen, wie der Experte berichtet: „Denn auch wenn mal etwas überkocht: Hier brennt auf dem Kochfeld nichts ein. Schließlich wird nur der Topfboden erhitzt, nicht aber das Kochfeld selbst – was wiederum vor allem mit Kindern im Haushalt ein wichtiger Aspekt in Sachen Sicherheit ist.“

Essenszubereitung und Essen rücken mit der Verbindung von Herd und Thekentisch zusammen, durch die offene Struktur gehen Küche und Wohnraum ineinander über. (Foto: Schüller)

Kochendes Wasser aus der Armatur

Nicht jede interessante Küchenerfindung kann sich allerdings auf Anhieb durchsetzen. Manche Innovationen brauchen Zeit, bis sie in einheimischen Küchen ankommen: „Relativ am Anfang steht bei uns in Deutschland noch die Armatur, die auf Knopfdruck kochendes Wasser spendet“, sagt Frank Hüther. Die lohnt sich für Teetrinker und spart Zeit beim Nudelkochen oder Blanchieren von Gemüse. Analog gibt es Armaturen, die gefiltertes Leitungswasser – leicht gekühlt und wahlweise still, medium oder sprudelig – spenden. Doch mit welchen neuen Trends könnten sich die Küchen wohl weiterentwickeln? Selbsttätig, durch Antippen sich öffnende und schließende Schränke, nennt Frank Hüther als Beispiel. Darüber hinaus sieht der Branchenexperte zahlreiche weitere praktische Neuerungen für die Zukunft: „Neue Oberflächen in der Küche werden die Reinigung und Pflege noch weiter erleichtern“, kündigt Frank Hüther an. „Und die Bedienung von High-Tech-Einbaugeräten wird immer einfacher und intuitiver werden.“ Zudem wird der Umweltschutz ein wichtiger Aspekt sein: Dosiersysteme für Reinigungsmittel in Spülmaschinen werden helfen, die Umwelt zu schonen, und leise, energieeffiziente Multifunktionsgeräte ermöglichen die semi-professionelle Zubereitung von Speisen. Nicht nur das Essen, auch das Kochen wird so immer mehr zum Vergnügen.

Abgebildet sind hier Küchen der Schüller Möbelwerk KG, die zu den Top 5 der Hersteller weltweit gehört. Mit 25 Beschäftigten 1965 gegründet, fertigen inzwischen über 1.100 Mitarbeiter im fränkischen Herrieden jährlich über 95.000 Küchen „made in Germany“, die in alle Welt exportiert werden.

Schüller setzt seit 2006 für drei Portale in acht Sprachen, unter anderem die Markendomäne schueller.de, das Web-CMS GeCONT von Geneon media solutions ein. Aus Basis dieses CMS wurde auch ein Intranetsystem etabliert. Der gesamte Bilddatenbestand wird mit der Geneon-Bilddatenbank organisiert, außerdem betreut Geneon media solutions die Server.

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