Um das willmy Magazin auch offline mobil erleben zu können, können Sie die App für Ihr Smartphone und Tablet herunterladen.

INTERVIEW

„Menschen wollen unterhalten werden“

TV-Moderatorin Karen Webb erzählt von ihren beruflichen Erfolgen und der Entwicklung der Medienbranche.

„Menschen wollen unterhalten werden“

TV-Moderatorin Karen Webb erzählt von ihren beruflichen Erfolgen und der Entwicklung der Medienbranche.

Moderatorin Karen Webb über ihre beruflichen Highlights, die Entwicklung der Medienbranche und wie sie Karriere und Familie in Einklang bringt.

Karen Webb moderiert die ZDF-Sendung „Leute heute“ fünf Tage die Woche live. Auf der vorigen Doppelseite ist sie mit Schauspieler Sebastian Koch bei den Oscars zu sehen. (Foto: ZDF/Rico Rossival, Benedikt Baldrian, Jens Hartmann)
Frau Webb, Sie haben Welt-stars wie George Clooney, Karl Lagerfeld oder Anna Netrebko getroffen. Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Hatten Sie mal weiche Knie?
Zu den schönsten Augenblicken gehört sicher der Gang über den Oscarteppich. Alle Stars auf einmal! Oder die Biennale in Venedig – Traumwetter, Traumkulisse, da sind die Stars immer bestens gelaunt. Besonders toll war es, als ich schwanger war: Kate Winslet hat mir gesagt, ich solle mich sofort setzen, wir haben ganz privat über Kinder geplaudert. Ein Gespräch von Mutter zu Mutter. Christoph Waltz wollte mich für unser Interview nicht warten lassen, war auch total nett. Alle waren so aufmerksam.
Als „Royal-Beauftragte“ des ZDF berichten Sie live vor Ort über die Königshäuser Europas. Gab es Momente, die Sie persönlich berührt haben?
Die Hochzeit von Victoria und Daniel in Schweden war schon sehr ergreifend, als Victoria zu ihrem Volk sagte: „Danke, dass ihr mir meinen Prinzen geschenkt habt.“ Berührend war auch die Beisetzung von Fürst Rainier in Monaco – das Schicksal dieser Familie vor Augen. Und die Hochzeit von Frederik und Mary in Dänemark. Die Kirchentür ging auf, Mary kam herein und Frederik schossen Tränen in die Augen. Da musste man als Zuschauer fast schon mitheulen.
Sie arbeiten in einer Welt der Inszenierung, ob bei der Moderation von großen Firmen­events oder vor Ort bei Modenschauen und Film­festivals. Was macht Ihrer Erfahrung nach einen guten Auftritt aus?
Bei Firmen-events ist es wichtig, dass der Funke überspringt. Ich habe auch schon langweilige Moderationen erlebt, Leute, die einen vorgegebenen Text runterbeten. Die Menschen wollen unterhalten werden, das heißt nicht, dass man als Moderator gleich ein Komiker sein muss. Aber wichtig ist, die Menschen an der Hand zu nehmen, als roter Faden zu fungieren mit dem Ziel, dass die Leute hinterher sagen: „Das war aber schön.“ Das gilt natürlich auch für Moderationen im Fernsehen. Allerdings hat man dort weniger Spielraum.

Die Moderatorin wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines britisch-indischen Vaters in London geboren, wenige Jahre später zog die Familie nach Nürnberg. Dort studierte sie Betriebswirtschaftslehre. Ihre ersten beruflichen Stationen waren unter anderem Franken Fernsehen und Antenne Bayern, ab 1998 moderierte sie bei Sat.1 mehrere Sendungen. Nach dem Wechsel zum ZDF 2003 übernahm sie bei „ML Mona Lisa“, 2007 bei „Leute heute“ die Moderation. Parallel zur Arbeit schloss sie ein Fernstudium der Politikwissenschaft ab, aktuell macht sie den Master in Soziologie. Daneben ist sie Lehrbeauftragte der Universität München. Die 42-Jährige hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in München.

Lassen Sie sich in Sachen Außen­darstellung oder Image beraten? Was ist Ihnen dabei wichtig?
Ich hole mir manchmal Feedback von Kollegen oder Freunden ein. Es gibt ein paar, deren Meinung ich schätze und auf deren Urteil ich vertraue.
Wie würden Sie die „Medienmarke“ Karen Webb beschreiben?
(lacht) Das fragen Sie besser jemand anderen.
Sie haben den Ratgeber „Charmant in jeder Lebenslage“ veröffentlicht und wirken selbst stets charmant, gut gelaunt und strahlend. Haben Sie im Lauf Ihrer Karriere daran gearbeitet oder wurde Ihnen das in die Wiege gelegt?
Ich habe schon daran gearbeitet. Früher habe ich Menschen manchmal gar nicht richtig gesehen, die Verkäuferin an der Supermarktkasse zum Beispiel. Ich habe meine Sachen eingepackt, gezahlt und sie nur so am Rande wahrgenommen. Jetzt schaue ich sie bewusster an und bedanke mich vielleicht sogar mit Namen, wenn Sie ein Namensschild trägt.
Das Buch enthält Tipps für peinliche Situationen. Gibt es bestimmte Grundregeln, wie man aus Fettnäpfchen wieder rauskommt, wenn man reingetreten ist?
Am besten das Buch lesen. Es gibt kein Patentrezept. Aber ich plädiere dafür, im Zweifelsfall in die Offensive zu gehen, Dinge anzusprechen. Dann erntet man vielleicht noch einen Lacher. Allemal besser als verlegenes Schweigen.

"Die Digitalisierung der Medien hat viele Veränderungen gebracht."

Sie können auf jahrelange Medienpraxis zurückblicken, sind inzwischen unter anderem Lehrbeauftragte an der Universität München. Wie hat sich die Medienwelt aus Ihrer Sicht geändert, wo könnte es hingehen?
Die Digitalisierung der Medien hat viele Veränderungen gebracht. Ich weiß noch, wie ich als Radiopraktikantin Bänder zusammengeklebt habe, sogenannte Bobbys. Heute schneidet man am PC blitzschnell. Das Internet wird immer wichtiger. Ich merke es jetzt schon bei den Studierenden: Sendungen werden immer mehr online angeschaut. Das ZDF ist auf der Fernbedienung nicht auf Platz 2.
Was geben Sie als Dozentin angehenden Medienschaffenden mit auf den Weg? Welche drei Eigenschaften muss man Ihrer Meinung nach auf jeden Fall mitbringen, um in der Medienbranche erfolgreich zu sein?
Eiserner Wille, eine dicke Haut und Disziplin. Man muss einstecken können. Wer beim ersten missglückten Casting oder Vorstellungsgespräch denkt: Ich bin nicht gut genug und kann das alles nicht, dem fehlt der Wille. Man muss auch damit rechnen, dass Mitbewerber merken, dass man einen interessanten Job hat und am Stuhl sägen könnten. Auch das darf einen nicht vom Weg abbringen. Und ohne Disziplin kann man in der Branche auch nicht bestehen. Ich kann nicht die ganze Nacht durchfeiern und am nächsten Tag acht Stunden live von der Hochzeit aus Madrid berichten.
In den neuen Medien sehen sich Promis, Medienmacher oder Unternehmen auch öffentlicher Kritik ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um? Ihre Redaktion lässt auf der Facebook-Seite von „Leute heute“ auch negative Kommentare stehen.
Das sind oft nur einzelne Meinungen. Warum sollten wir sie nicht stehen lassen? Ich frage mich manchmal, ob Leute nichts Besseres zu tun haben, als schlechte Laune zu verbreiten. Ich selbst finde Kritik wichtig, weil nur Kritik und Feedback mich weiterbringen. Allerdings habe ich gelernt zu unterscheiden, ob Kritik ehrlich gemeint und konstruktiv ist oder ob jemand aus anderen Gründen, wie Neid, etwas mitteilt.
Arbeitsplatz mit rotem Teppich: Karen Webb berichtet für das ZDF unter anderem von den Oscar-Verleihungen – selbst sieht sie wenig fern. (Foto: imago/Future Image)
Welche Medien nutzen Sie selbst und warum?
Ich schaue wenig fern, ich habe mit zwei Kindern einfach kaum Zeit. Radio höre ich nur im Auto, wenn überhaupt. Aber ich nutze mein Smartphone intensiv und auch das Internet.
Woher nehmen Sie Ihre Energie und Motivation? Sie haben neben dem Beruf weiter studiert, haben zwei Kinder, eine Kinderkrippe gegründet, sind Lehrbeauftragte, laufen täglich …
Ich glaube, gerade weil ich unterschiedliche Dinge mache, wird nichts langweilig oder alltäglich und ich nehme mir ja auch Auszeiten. Im Sommer werde ich zwei Monate kein „Leute heute“ moderieren, sondern die Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich habe schon letzten Sommer zwei Monate freigenommen – das war toll und ich habe mich wieder umso mehr auf meinen Job gefreut. Und mein Studium zum Beispiel dauerte sechs Jahre – andere brauchen für den Bachelor nur drei Jahre, bis sie fertig sind. Aber ich kann ja nur Teilzeit studieren. Motivation und Energie verspürt man, wenn einem Dinge Spaß machen und mir macht das, was ich tue, Spaß.
In Ihrem Rezeptbuch „Heute gibt’s indisch!“ beschreiben Sie das gemeinsame Essen als wichtiges Familienritual Ihrer Kindheit. Wie organisieren Sie heute Berufs- und Familienleben?
Das ist vermutlich meine größte Leistung. Morgens schnell einkaufen, auf dem Weg noch schnell zur Post, dann im Auto auf dem Weg zur Arbeit das Telefonat führen, das nur zehn Minuten dauert, und so weiter. Ich bin gut organisiert, anders geht’s nicht und ich habe eine To-do-Liste, damit ich nichts vergesse. Die Wochenenden gehören den Kindern. Außerdem nehme ich zwischendurch immer mal einzelne Tage frei, damit ich mit ihnen etwas unternehmen kann. Und auch am Abend beantworte ich Mails erst, wenn sie im Bett sind. Wenn ich nach der Sendung nach Hause komme, gibt´s ein gemeinsames Abendessen, darauf lege ich großen Wert. Für längere Reisen, mit zwei oder drei Nächten, ist meine Mutter Stand-by oder kommt, weil mein Lebensgefährte ja auch arbeitet.

Karen Webb unterstützt als Patin das „Bündnis für Kinder“, das ausgesuchte Projekte für Gewaltprävention und Kinderschutz fördert.

buendnis-fuer-kinder.de

Welche Erfahrungen haben Sie mit der von Ihnen und Ihrem Partner gegründeten Kinderkrippe gemacht?
Der Bau war anstrengend, aber jetzt läuft alles rund. Wir haben tolle Erzieherinnen und Erzieher, tolle Eltern und die Kinder sind ja sowieso alle Zucker in diesem Alter.
Thomas Gottschalk hat Sie als „schönste und erfolgreichste Nürnbergerin“ bezeichnet. Sie haben in der Region Ihre Jugend verbracht und Ihre Karriere begonnen. Was hat Sie dabei geprägt?
Das ist aber nett von Thomas. Da muss ich mich glatt noch bedanken. Ich hatte damals Glück, dass Franken Funk und Fernsehen gerade angefangen hat, ein 24-Stunden-Programm zu senden und eine Frau als Moderatorin gesucht wurde. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und das war die beste Schule.
Sie haben in Nürnberg den Opernball moderiert, die Spielwarenmesse eröffnet und bei den Fashion Days gemodelt. Was macht für Sie die Stadt und die Region aus?
Im Grunde sind es die Menschen. Ich habe noch Freunde und Freundinnen in Nürnberg, die Familie, meine Schwester mit ihrer Familie, meine Mutter. Ich bin auch deswegen immer wieder gerne in Nürnberg, weil ich damit meine Kindheit und Jugend verbinde und daran schöne Erinnerungen habe: meine erste Wohnung, mein erster Freund, die Schule, die Unizeit – Nürnberg ist ein Stück von mir.
Die Fragen stellte Samuel Heller aus der Redaktion des willmy magazins

Weitere Artikel