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PORTRÄT

Die Fränkin im „Dadord“

Eli Wasserscheid über ihre Rolle im Franken-Tatort

Die Fränkin im „Dadord“

Eli Wasserscheid über ihre Rolle im Franken-Tatort

Tragisch, dramatisch, lustig: Die sympathische Schauspielerin Eli Wasserscheid hat unterschiedliche Charaktere vor der Kamera gespielt und auf die Theaterbühne gebracht. Mit der Kommissarin Wanda Goldwasser, die sie im Franken-Tatort verkörpert (ganz rechts), würde sie sogar ein Bier trinken gehen.

Der Mord am Erlanger Professor, der mit zwei Kopfschüssen beim „dodaln Ineinander zweier Menschen“ im Nürnberger Reichswald gefunden wurde­, ist aufgeklärt. Die Lösung wurde zur besten Sendezeit am Sonntagabend in der ARD präsentiert. Tatort-Zeit. Mittendrin in den Ermittlungen des ersten Franken-Tatorts steckte die Schauspielerin Eli Wasserscheid­. Als Kommissarin Wanda Goldwasser hörte man sie Dinge­ sagen­ wie: „Wecha dera Handys nochamol …“ Wirklich üben muss sie solche Sätze nicht. Schließlich ist sie gebürtige Bambergerin und beherrscht den Dialekt. Dass der Hauptkommissar aus Norddeutschland kommt, störe gar nicht, im Gegenteil: „Der Kontrast unterstreicht das Fränkische umso mehr“, so ihre Überzeugung.

„Mädchen, du hast doch Abitur. Warum denn Schauspielerin?“

Von Bamberg nach München

„Das Fränkische habe ich immer gemocht. Als Jugendliche haben wir sogar mal einen Franken-Stammtisch gegründet“, erzählt die 35-Jährige bei einem Treffen im Münchner Hoover & Floyd. Das ist eine urgemütliche, kleine Café-Bar in der Isarvorstadt, die etwas versteckt in der Ickstattstraße liegt. Im Salon stehen ein buntes Sammelsurium an Möbeln­ im Stil der 1920er- und 1930er-Jahre sowie ein paar Ohrensessel. Nebenan gibt es ein kleines Separee, in dem es sich Eli Wasserscheid auf einer Bank gemütlich gemacht hat. Entspannt, in Jeans und Pulli, genießt sie ihr Panini und geht nach einem doppelten Espresso zum Latte macchiato­ über.

Seit sie vor über 15 Jahren von Bamberg nach München zog, ist das Café für sie zum zweiten Wohnzimmer geworden. Früher hat sie hier selbst einmal gejobbt. Wenn sie an ihre Heimatstadt Bamberg denkt, gerät sie fast ein wenig ins Schwärmen. Sie kommt aus einer Akademikerfamilie, hat sechs Geschwister und ist mitten in der Altstadt groß geworden. Theater, Kino, Kneipen, alles in erreichbarer Nähe, am Wochenende Radelausflüge mit der Familie.

Erste Bühnenerfahrung mit 16

Dass sie Schauspielerin werden wollte, war klar. Sie erinnert sich an eine Szene aus ihrer Kindheit, in der ihre Schwester am Küchentisch saß und wie so häufig Grimassen zog. Ihre Mutter sagte daraufhin im Spaß, sie könne ja Schauspielerin werden. „Ich habe nur gedacht: Wieso die? Nein. Ich. Ich werde das“, erzählt sie mit einem breiten Grinsen. „Mädchen, du hast doch Abitur. Warum denn Schauspielerin?“ Die Begeisterung ihrer Eltern hielt sich in Grenzen. Aber sie blieb beharrlich: Als Schülerin der Unter­stufe wollte sie unbedingt in die Theater-AG der Oberstufe: „Ich war erst 16, habe aber so lange gedrängelt, bis sie mich genommen haben. Meine erste Rolle war dann die eines Bratsche spielenden Baumes in Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum.“ Später traf sie über eine VHS-Theatergruppe Martin Neubauer, Inhaber des Brentano­-Theaters in Bamberg. Der Anfang war gemacht.

Im Nachhinein denkt sie, dass ihre entscheidende Antriebsfeder wohl die Frage gewesen ist: „Warum verhält ein Mensch sich so und nicht anders? Kein Mörder ist einfach nur böse, er hat seine ganz eigene Logik, nach der er handelt. Diese Wahrheit einer Figur zu finden, hat mich gereizt.“ Als Schauspielerin Figuren und Charaktere ausloten zu können, sei ein wunderbarer Beruf, ein Luxus.

„Um andere Charaktere spielen zu können, muss man sich erst einmal selbst sehr genau kennenlernen. Was bin ich, wo fängt die Figur an?“, sagt Eli Wasserscheid über ihren Beruf. (Foto: BR/Gila Sonderwald)

Pathologin im Münchner Tatort

Wie hoch auch immer die Messlatte für beruflichen Erfolg hängt, dass Eli Wasserscheid mit ihrer Berufswahl falsch lag, würde wohl niemand behaupten. Sie spielte an der Schauburg München, am Schnawwl – National­theater Mannheim, am Stadttheater Fürth sowie auf Kampnagel in Hamburg, hatte Engagements am Brentano-Theater in Bamberg, am Gostner-Hoftheater in Nürnberg und gehört seit 2008 zum festen Ensemblestamm des Metropoltheaters München.

Neben der Bühne steht sie seit Jahren für TV-Produktionen und Kinofilme vor der Kamera, arbeitete mit Regisseuren wie Dominik Graf, Franz Xaver Bogner, Ed Herzog, Matthias Kiefersauer und Johannes Fabrick. Zu sehen ist sie unter anderem in „Die geliebten Schwestern“ und „Dampfnudel­blues“. Im Münchner Tatort gab sie bereits zwei Mal die Pathologin und nun im Franken-Tatort die Kommissarin.
Ein Erfolgsrezept kann sie nicht nennen, überhaupt Erfolg: „Das ist wie eine Welle.“ Ganz wichtig war für sie die Ausbildung an der Neuen Münchner Schauspielschule Ali Wunsch-König. Von der mittlerweile verstorbenen „Grande Dame“ spricht sie voller Respekt. „Um andere Charaktere spielen zu können, muss man sich erst einmal selbst sehr genau kennen lernen. Was bin ich, wo fängt die Figur an?“ Ali Wunsch-König sei für sie genau die Richtige gewesen, um das herauszufinden.

Nach Dreharbeiten im August und September 2014 in Nürnberg und Erlangen war es am 12. April so weit: Der erste Franken-Tatort wurde ausgestrahlt. Die neue Mord-Kommission mit den Hauptkommissaren Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Kriminalkommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) hat ihr Hauptquartier in Nürnberg bezogen und übernimmt von dort Fälle im Frankenland. Zum Auftakt gab es eine Leiche in Erlangen. Als Leiter der Spurensicherung mischt Kabarettist Matthias Egersdörfer mit. Regie führte der mehrfach preisgekrönte Regisseur Max Färberböck. Zum zweiten Franken-Tatort war bis Redaktionsschluss lediglich bekannt, dass das Drehbuch in Arbeit ist und noch 2015 umgesetzt wird.

Eli Wasserscheid im Portait

Über das Tun zum Sein

Sie spielt alles. Tragische und lustige Rollen. Die Frage nach einer Genrezugehörigkeit stellt sich für sie nicht. „Der Körper ist das Instrument des Schauspielers. Es geht darum, auf dieser Klaviatur die richtigen Töne anzuschlagen, und über das Tun zum Sein zu kommen.“ Sie hält einen Moment inne, lacht herzhaft und kommentiert: „Mein Gott, so ein großer Satz. Ich bin wohl noch ganz erfüllt von dem Workshop am Wochenende. Da ging es auch darum, eigene Grenzen zu spüren und neue Türen zu öffnen.“ Wieder so ein Satz.

Neben der Ausbildung sind es die Begegnungen, die darüber entscheiden, ob man die Gelegenheit bekommt, zu zeigen, was man kann. Aus dem einen ergibt sich das andere. Und wie geht es weiter? Natürlich mit Theater, aber auch ein zweiter Franken-Tatort ist in der Mache.

Katharina Vähning

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