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Deutschlands schönste Bücher

Was schöne Bücher ausmacht

Deutschlands schönste Bücher

Was schöne Bücher ausmacht

Für das gute alte Buch zum Anfassen werden seine sinnlichen Reize mit dem Aufkommen des E-Books zum wichtigen Unterscheidungsmerkmal. Was hervorragende Bücher als Druckwerke auszeichnet, zeigt der Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“.

Eine von der Stiftung Buchkunst berufene Jury prämiert jedes Jahr die schönsten Bücher. Dabei geht es um die gelungene Verbindung von Form und Inhalt. Gekürt werden Werke, die durch ihre vorbildlichen Konzeption, Gestaltung und Verarbeitung auffallen. Mit Wettbewerben wie diesem verschafft die Stiftung dem gedruckten Medium­ ein Forum und gibt Verlagen und Buchgestaltern Impulse. Seit den Anfangsjahren ist die Zahl der eingereichten Werke beachtlich gewachsen: Waren es 1952 noch 260 Bücher, die die Jury zu beurteilen hatte, sind es seit vier Jahren regelmäßig knapp über 1.000. „Die hohe Zahl der Einreichungen spricht für das Renommee, das der Preis inzwischen gewonnen hat“, sagt Uta Schneider, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst.

Schäfere Medienkonkurrenz

Getragen wird die Stiftung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Deutschen Nationalbibliothek sowie den Städten Frankfurt am Main und Leipzig. Ihr Auftrag ist es, Standards vorbildlicher Buchgestaltung und -verarbeitung zu vermitteln. Bisher wurde vor allem die Fachwelt angesprochen. Doch angesichts zunehmender Medienkonkurrenz und einer wachsenden Bedeutung digitaler Medien will die Stiftung ihre Arbeit neu ausrichten: Nun sollen Leser und Buchkäufer mehr in den Vordergrund rücken. Noch stärker als bisher will man ihnen die ästhetischen, haptischen und sinnlichen Reize des gedruckten Buches nahebringen. Die Juroren des Wettbewerbs – allesamt Experten für Buchgestaltung, Herstellung und Produktion – wählen in einem zweistufigen Verfahren Werke aus, die sich mit einer erstklassigen Konzeption, Gestaltung und Verarbeitung auszeichnen. Diese fünf Bücher aus jeweils fünf unterschiedlichen Kategorien stellen gleichzeitig die Nominierungen für den mit 10.000 Euro dotierten ersten Platz dar.

 

"Die Bedeutung des Papiers wird meist unterschätzt."

2. Preis der Stiftung Buchkunst: das Jugendbuch „Kafka“ mit Texten von Franz Kafka und Bildern von Stefanie Harjes. (Foto: Martin Rehm)

Schönheitskriterien

Was aber macht ein schönes Buch aus? „Es ist eines, in dem Form und Inhalt übereinstimmen, dessen Konzeption und technische Umsetzung gelungen, passend, überraschend und ästhetisch ist“, sagt Professor Christian Ide. Er lehrt an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig Buchproduktion und fungiert in diesem Jahr zum zweiten Mal als Jurymitglied. Das Gremium beurteilt neben technischen Details wie Satz, Bindung, Mikro- und Makrotypografie auch Druckqualität und Papiereigenschaften. „Die Auswahl des Papiers hängt stark von Form und Inhalt eines Buches ab“, sagt Christian Ide. „Die Bilder in einem Kunstband wirken besonders gut auf Papier mit einer gestrichenen Oberfläche. Eine geglättete Oberfläche bringt die feinen Details von Illustrationen besonders gut zur Geltung. Und für Belletristik bietet sich ein Papier mit einer leichten Färbung an, weil es das Buch lesefreundlicher macht.“ Weitere Kriterien, die die Jury in Augenschein nimmt, sind zum Beispiel Gewicht und Laufrichtung, die Abstimmung verschiedener Papiere zueinander, die Lichtundurchlässigkeit sowie Umweltverträglichkeit. Nicht immer wird das zu bedruckende Material mit dem nötigen Gespür ausgesucht.

Starke Wirkung dank Papier

„Die Bedeutung des Papiers wird meist unterschätzt“, berichtet Uta Schneider. Wie sehr es dazu beitragen kann, den Charakter eines Buches wirksam zu unterstreichen, macht die ausgebildete Typografin und Buchgestalterin an einem Beispiel deutlich: Vor einigen Jahren wurde das Buch einer niederländischen Gestalterin ausgezeichnet, das die Selbstverbrennung Jan Pallachs zum Thema hat. Der tschechoslowakische Student protestierte 1969 mit der Tat gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings. Für das broschierte Buch wurden Collagen in Schwarz-Weiß auf Recyclingpapier gedruckt. „Diese auf den ersten Blick unperfekt wirkende Art der Gestaltung kann die Vorstellungskraft des Lesers auf eine Weise beflügeln, wie das mit einem auf edles Bilderdruckpapier gedruckten und als hochwertigem Feineinband gebundenen Buch nicht möglich gewesen wäre“, sagt die Geschäftsführerin.

Hohe Druckqualität

Nach Einschätzung vieler Experten hat die Druckqualität in Deutschland insgesamt ein sehr hohes Niveau. So ist die Qualität von Büchern in Klein- und Kleinstauflagen kaum noch von den im klassischen Offsetdruck hergestellten Ausgaben zu unterscheiden. „Dass ein Buch aufgrund schlechter Druckqualität von der Jury ausgeschlossen wird, kommt praktisch nicht vor“, bestätigt auch Uta Schneider. Zu den Kriterien der Jury in Sachen Druck gehören Gleichmäßigkeit, Farbgebung und ein Druckregister. „Das Druckregister sorgt dafür, dass die Zeilen auf der Vorder- und Rückseite einer Seite sich auf der gleichen Höhe befinden. Manchmal ist auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Zeilen nicht exakt übereinanderlaufen“, erklärt Professor Ide. „In den meisten Fällen haben die eingereichten Bücher aber eine hohe Qualität. Dabei ragen Kunst- und Bildbände besonders heraus.“

Aufwendige Ausstattung

Welche Zukunft hat das Medium Buch angesichts zunehmender Digitalisierung? Wird künftig noch mehr auf die Qualität gedruckter Werke geachtet? „Bisher ist es noch nicht so, dass sich Bücher durch eine besonders ästhetische Gestaltung etwa vom E-Book abheben. Doch auf lange Sicht muss es eine Differenzierung geben“, ist sich Uta Schneider sicher. „Werden die Verlage zunehmend deutlicher entscheiden müssen, auf welchem medialen Weg ein Thema veröffentlicht werden soll, so wird zukünftig bei der Umsetzung als Printausgabe die Frage der Ausstattung eine bedeutendere Rolle spielen als bisher. Seit einigen Jahren gibt es beispielsweise wieder mehr Leineneinbände. Vielleicht ist dies ein erstes Zeichen für die Abgrenzung des gedruckten Mediums von digitalen Veröffentlichungen, eine Sichtbarmachung der Möglichkeiten und des Reizes des gedruckten Buches.“

Zu den Förderern gehören der Beauftragte der Bundes­regierung für Kultur und Medien sowie das Land Hessen. Seit 1994 unterstützt zudem ein Freundeskreis die Arbeit der Stiftung. Ihm gehören wichtige deutsche Verlage, Unternehmen anderer Wirtschaftsbereiche und engagierte Privatpersonen an.

www.stiftung-buchkunst.de

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