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FEATURE

Moderne Arbeitswelten an historischem Standort

Einblicke in den IT-Campus der DATEV

Moderne Arbeitswelten an historischem Standort

Einblicke in den IT-Campus der DATEV

Mit dem DATEV IT-Campus 111 hat eines der größten Softwarehäuser Europas seine Vorstellung einer zeitgemäßen Arbeitsumgebung verwirklicht - ein Rundgang.

Treffpunkt Fürther Straße 111, Nürnberg. Ein geschichtsträchtiger Ort an einem sonnigen Nachmittag. Vor uns liegt der neue DATEV IT-Campus. Dank der kantigen Optik, der klaren geometrischen Formensprache und der Fassade aus fränkischem Muschelkalk reiht sich das markante Gebäude nahtlos in die dichte Bebauung und ins Stadtbild ein. Das von Säulen getragene DATEV-Logo im charakteristischen Grün thront weithin sichtbar über dem Eingangsbereich – Ergebnis eines studentischen Ideenwettbewerbs. Die Gerüste und Baukräne sind verschwunden; kein Stäubchen weist mehr auf die knapp zweijährige Bauzeit hin, in der Lärm und Schmutz dominierten, während 3.800 Tonnen Stahl, 2.300 Fen­sterelemente sowie 600 Kilometer Datenkabel auf dem rund 24.000 Quadratmeter großen Grundstück verbaut wurden. Bevor wir das Gebäude betreten, begegnen wir mehreren Mitarbeitern – zunächst allerdings nur in Form einer im Innenhof stehenden Skulptur, die von Mitarbeitern gestaltet wurde und aus 250 individuell kreierten Stahl-Konterfeis besteht.

Auferstanden aus Industrieruinen

2009, so erzählt Pressereferent Benedikt Leder, der uns auf unserem Rundgang begleitet, kam erstmals die Idee auf, ein zukunftsweisendes Gebäude zu errichten, das dem Herzstück des Unternehmens, der Software-Entwicklung, den nötigen Raum zur Entfaltung bietet. Daraus wurde schließlich das größte Bauprojekt in der Geschichte der ­DATEV. „Ziel war es“, erklärt Benedikt Leder weiterhin, „den Softwareentwicklungsbereich, der sich auf mehrere Standorte innerhalb Nürnbergs verteilte, in einem Gebäude zu bündeln. Das bedeutet kürzere Wege, bessere Kommunikationsmöglichkeiten und eine engere Vernetzung der verschiedenen Teams, was sich nicht zuletzt positiv in kürzeren Entwicklungszeiten, verbesserten Prozessabläufen und einer gesteigerten Produktivität niederschlägt.“
2011 wurde begonnen, die Idee in die Tat umzusetzen. Das IT-Unternehmen kaufte das Grundstück gegenüber dem Justizpalast an (zur Historie des Standorts siehe Infobox). Eine brachliegende graue Betonfläche, flankiert von baufälligen Gebäuden des einstigen Versandhauses Quelle. „Das Gelände wirkte trostlos, beinahe so, als wäre es fluchtartig verlassen worden. Tassen mit eingetrockneten Kaffeeresten waren der letzte Hinweis darauf, dass hier einst Menschen gearbeitet haben“, erinnert sich Helmut Hamer, Leiter der Gebäudedienstleistungen. Um diesen Ort wieder in einen attraktiven Arbeitsplatz zu verwandeln, wurden zunächst die Bestandsgebäude abgerissen und mehrere Projektteams zusammengestellt. „Bei einem Bau von dieser Größe und den spezifischen Vorgaben benötigten wir eine vielfältige Expertise“, erläutert Helmut Hamer. Insgesamt waren auf dem weiten Weg von der Idee bis zur Umsetzung rund 110 Unternehmen beteiligt. Architekt Andreas Boesel vom Münchner Architekturbüro Boesel Hohberg, das mit der Planung betraut war, vergleicht die Entwurfsplanung mit einem großen Puzzle, das aus einzelnen Bausteinen, Flächen, Funktionen und Informationen besteht. Nach einer eingehenden Planungsphase folgte dann im April 2013 mit dem Spatenstich und der Grundsteinlegung der offizielle Baubeginn.

Gutes Betriebsklima: Der IT-Campus wird über ein Belüftungssystem mit Fensterklappen in der Glasfassade temperiert. Die Beschäftigten können die Fenster aber auch selbst bedienen, um sich nicht eingesperrt zu fühlen. Zusätzlich sorgt Geothermie für Temperaturausgleich. (Foto: Martin Rehm)

Es war uns ein Anliegen, unsere Mitarbeiter einzubinden.

Mitten im Szene-Viertel

Zunächst galt es auch, auf die Anwohner des ehemaligen Arbeiter- und heutigen Szene-Stadtteils Gostenhof zuzugehen, die von den Auswirkungen der Großbaustelle direkt betroffen waren. Von Beginn an wurden sie animiert, sich zu informieren, persönlich auf einem Bürgerfest oder über eine eigens eingerichtete Hotline. „Wir haben besonderen Wert darauf gelegt, mit offenen Karten zu spielen und aufkeimenden Unmut möglichst schnell und gut zu kana­lisieren. Nach anfänglicher Skepsis haben wir von den Anwohnern auch viel Zuspruch erhalten für das Vorhaben, die ungenutzte öde Fläche wieder zu beleben“, beschreibt Helmut Hamer die damalige Situation. Und auch heute kommen sie gerne in die DATEV-Gärten, eine Ruheoase inmitten der Stadt. Nicht nur Angestellte genießen dort ihre Mittagspause, sondern auch die Öffentlichkeit kann tagsüber auf eine Partie Schach oder Boule vorbeischauen.
Auch die 1.800 Mitarbeiter konnten das Bauprojekt hautnah miterleben. „Es war uns ein Anliegen, unsere Mitarbeiter nicht nur zu informieren, sondern auch einzubinden“, betont Helmut Hamer. So waren die Angestellten zum Beispiel an fünf Terminen eingeladen, die Baustelle zu erkunden, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und ihre ganz eigenen Perspektiven fotografisch festzuhalten. Dabei sind beeindruckende Bilder entstanden, die heute einige Wände des Gebäudes schmücken. Außerdem konnte ein sogenannter 12er-Rat, bestehend aus Mitarbeitern der jeweiligen Hauptabteilungen der Entwicklung, seine Sichtweisen einbringen. „Wir haben von den verschiedenen Perspektiven und Anregungen profitiert. Manche Entscheidungen waren schwieriger, andere weniger. Was beispielsweise die Beleuchtung angeht, haben sich die Mitarbeiter nahezu einhellig für LED-Stehleuchten ausgesprochen, die man individuell einstellen kann, indem man den Lichtwert speichert“, berichtet Matthias Greim, Teilprojektleiter für die technische Gebäudeausrüstung.
Eines der Gremiummitglieder treffen wir auf der weitläufigen Terrasse, die für kurze Rauchpausen genutzt wird. Spontan erzählt der Entwickler Matthias Bulligk von seinen Erfahrungen während der Bauphase: „Ich war gewissermaßen die Schnittstelle zwischen meinen Kollegen und der Projektleitung, habe Wünsche abgefragt und Mitarbeiter informiert. Dabei ging es neben scheinbar banalen Fragen wie Wer sitzt wo? Auch darum, Vorbehalte zu entkräften.“

Die vier Kilometer lange Fürther Straße, erbaut zwischen 1801 und 1804, zählt zu den längsten und wichtigsten Verkehrsachsen Nürnbergs. 1835 wurde dort die erste Eisenbahnlinie in Deutschland eröffnet und war bis 1922 in Betrieb. Zahlreiche Unternehmen wie Quelle, AEG und Triumph Adler hatten entlang der Straße ihren Sitz. Seit 1916 befindet sich dort der durch die Nürnberger Prozesse historisch bedeutende Justizpalast. Heute symbolisiert die Straße den Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft.

Das Casino serviert an 763 Plätzen jeden Tag rund 1.300 Essen. Die Bestuhlung setzt im sonst puristisch Weiß und Grau gehaltenen Innenbereich Farbakzente. (Foto: Martin Rehm)

Schöne neue Bürowelt

Nach zweijähriger Bauzeit wurde der Gebäudekomplex schließlich feierlich eingeweiht. Wo vorher Baufahrzeuge und Betonmischer lärmten, herrscht heute Büroalltag – in nicht alltäglichen Büroräumen. Der Campus ist aufgebaut wie zwei gegeneinanderstehende Kämme und durch eine sogenannte Magistrale verbunden, einem Hauptverkehrsweg, der Wege durch Büros verhindert und ungestörtes Arbeiten ermöglicht. Hier zeigt sich deutlich, dass sich mit den Arbeitsanforderungen auch die Räume ändern. Die Softwareentwicklung gilt gemeinhin als heiß umkämpfter Ressourcenmarkt. Daher müssen Unternehmen ihre Attraktivität besonders herausstellen – das beginnt bei der flexiblen Gestaltung von Arbeitszeiten und endet mit einem passgenau auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnittenen Arbeitsumfeld. Eine Kultur der offenen Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Raumkonzept des IT-Campus trägt dem Wechselspiel zwischen konzentriertem individuellen Arbeiten und Gruppenarbeit Rechnung. Die offenen Bürozonen mit Teppichböden und Paneelen, die Geräusche absorbieren, fördern konzentriertes Arbeiten. „Die Kollegen haben das Ruhe-Prinzip im offenen Bürobereich mittlerweile derart verinnerlicht, dass dort selbst Guten-Morgen-Wünsche ausbleiben“, schmunzelt Helmut Hamer. Der offene Bürobereich wird durch mehrere Rückzugsräume unterschiedlicher Größe und Ausstattung in der Mittelzone aufgebrochen. Diese Cubes sind als Kommunikationsräume ­konzipiert. Die Mitarbeiter konnten diese Räume nach ihren Wünschen ausstatten und ihnen je nach Geschmack eine unterschiedliche Atmosphäre verleihen – mal gemütlich im Wohnzimmer-Stil mit Sofas, mal mit ergonomischen Bürostühlen, die bei jeder Bewegung mitwippen.

Angenehme Hardware für die Softwareentwicklung – vier Innenhöfe wie in dem Fall @the Beach wurden von Mitarbeitern thematisch konzipiert. (Foto: Martin Rehm)

Abwechslung vom Schreibtisch

Im Rahmen eines Pilotprojekts bei der Firma Innovum hatten die Beschäftigten die Möglichkeit, in einem ähnlichen Umfeld wie es auch für den IT-Campus geplant war, zu arbeiten. „Gerade für langjährige Mitarbeiter, die Einzelbüros gewöhnt waren, bedeutete das Open-Office-Konzept schon eine Umstellung“, gibt Matthias Bulligk zu bedenken. Er selbst fühlt sich am neuen Arbeitsplatz sehr wohl: „Ich bekomme viel mehr mit – sei es beim Small Talk im Garten oder beim Kurzmeeting in einem der Besprechungsräume.“
Das klare, moderne Innendesign, die minimalistische Farbgebung aus Grau und Weiß, aufgebrochen durch knallige Farbakzente in Form von Sesseln oder Sitzkissen, tragen ein Übriges zum Wohlfühlfaktor bei. Und wer sich an ­einem stressigen Arbeitstag nach Entspannung sehnt, kann sich eine Auszeit auf einem der Massagesessel gönnen. Dank ergonomisch gestalteter Arbeitsplätze sollten sich Muskelverspannungen jedoch in Grenzen halten.
Für einen Perspektivwechsel sorgen auch vier unterschiedlich gestaltete Außenbereiche. So hat der Entwickler im @Work-Bereich Gelegenheit, draußen zu arbeiten, kann „@the Gym“ nach anstrengender geistiger Tätigkeit die Muskeln stählen, danach sein Mittagessen „@the ­Garden“ einnehmen oder „@the Beach“ im gestreiften Strandkorb Arbeit und ­Urlaubsfeeling verbinden.

Bevor wir unseren nun schon beinahe dreistündigen Rundgang beenden, begeben wir uns in den Keller, wo uns Matthias Greim einen detaillierten Einblick in die technische Ausstattung gewährt. „Neben höchstem technischen Standard haben wir großen Wert auf ein nachhaltig energetisches Konzept gelegt“, sagt der Teilprojektleiter für die technische Gebäudeausrüstung. Die Klimatisierung des Gebäudes erfolgt über Geothermie, das heißt, die Erdtemperatur wird in der Betondecke gespeichert, um die Räume sommers wie winters entsprechend zu temperieren. Selbst bei den hohen Temperaturen im Sommer 2015 hat die natürliche Kühlung gut funktioniert.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass der IT-Campus die Vision einer modernen Arbeitswelt, die sich auf das Arbeitsumfeld auswirkt, auf beste Weise versinnbildlicht. Und dabei so vielfältig ist wie die Menschen, die uns bunt gekleidet oder förmlich mit Hemd und Krawatte begegnet sind.

Die 1966 gegründete Nürnberger DATEV eG zählt als IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und deren Mandanten zu den größten Softwarehäusern in Europa. Als langjähriger Partner betreibt die Willmy MediaGroup die Web-to-Print-Anwendung DATEV E-Print, mit der die Kanzleien einfach Drucksachen erstellen und dank einer Kopplung mit DATEV E-Content zum Beispiel auch Videos per Mausklick in ihre Internetseiten einbinden können. Seit einem Relaunch im Sommer 2015 bietet der Editor des E-Print noch größeren Gestaltungsfreiraum, was Text- und Bild-elemente sowie Farben und Schriften anbelangt.

Nina Benkert

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